Absolut empfehlenswert: „Free Lunch Society“

Stell dir vor, du hättest im Lotto gewonnen und müsstest nicht mehr arbeiten! Wie würdest du deinen Tag füllen? Welchen Wünschen und Ideen würdest du nachgehen? Würdest du faul auf der Couch liegen oder einfach deinen Tag freier gestalten? Das sind die Kernfragen des Films „Free Lunch Society“.

Der erste Dokumentarfilm für das bedingungslose Grundeinkommen von Regisseur Christian Tod und präsentiert OVALmedia startet heute in den deutschen Kinos. Nach einem gestrigen Online-Preview kann ich nur empfehlen: Gönnt euch diese eineinhalb Stunden des konzentrierten Nachdenkens über das Geflecht von Arbeit, Lebenssinn, Macht und Kultur!

Der Film bietet eine Reise in die Vergangenheit und die Zukunft zugleich: Martin Luther King war einer der ersten Politiker, der die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens einbrachte. Er hoffte damit, die soziale Ungleichheit in der Bevölkerung auszugleichen. In den USA und Kanada wurde in den 1960/1970er Jahren intensiv geforscht, wie sich ein bedingungsloses Grundeinkommen auswirken würde. Die Bewohner von Alaska erhalten beispielsweise jährlich einen bestimmten Betrag aus dem Permanent Fund ausgezahlt. Das Geld stammt von den Ölfirmen, die mit dem Erdöl als der zentralen Ressource des Landes gute Geschäfte machen. Die Bewohner sollten dabei nicht leerausgehen, so die Idee des bis heute bestehenden Funds. Auch Familien im kanadischen Bundesstaat Manitoba erhielten von 1974 bis 1978 monatlich rund 100 kanadische Dollar das sogenannte Mincome. Die Arbeitsmoral sank nur in geringem Maße, die Jugendliche nutzten das Geld, um länger die Schulen zu besuchen. Seattle, Denver, New Jersey – auch dort wurde mit neuen Konzepten der finanziellen Absicherung experimentiert. Leider aber sind die Studien niemals umfassend abgeschlossen und ausgewertet worden.

Die Zukunftsvision des Films setzt am Beginn unseres 21.Jahrhunderts an, da sich jetzt eine Neugestaltung unserer Sozialsysteme als unausweichlich abzeichnet. In vielen Ländern – auch in Deutschland – schrumpft die Mittelschicht. Es sind nicht nur Rentner, die zusätzlich arbeiten müssen, um ihre Existenz zu sichern. Automatisierung und Digitalisierung übernehmen Jobs – zunehmend auch die der gut ausgebildeten Akademiker. Kraftfahrer und Kuriere spüren dies nur als erste, ähnliche Entwicklungen zeichnen sich aber auch in der Medizin und in den Rechtswissenschaften ab. All diese Trends fordern neue Gesellschafts- und Arbeitsmarktkonzepte – so die zentrale Botschaft des Films. Viele wertvolle Informationen, gut aufebereitete ansprechende Bilder, keine Minute langatmig – wer über unsere Gesellschaft nachdenken will, ist auf jeden Fall im richtigen Film.

Bildquelle: Ovalmedia

 

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