Persönlicher Austausch statt gezielter Fake News: Studie der Stiftung Neue Verantwortung

Die Stiftung Neue Verantwortung (SNV) hat jetzt eine Studie zur Verbreitung von „Fake News“ veröffentlicht. Ich war beim Lunch-Briefing am Montag (26.März 2018) im Berliner Beisheim-Center dabei. Interessant war für mich ein Fazit der Autoren: Ungenauigkeiten im Journalismus können dazu beitragen, dass Fake-News entstehen. Vor allem Rechtspopulisten nutzen dies gerne und instrumentalisieren missverständliche Nachrichten für ihre Zwecke. Ein Beispiel war die Nachricht von einem Volksfest im baden-württembergischen Schorndorf im Juli 2017. Eine Nachrichtenagentur hat dabei den Inhalt einer Polizeimeldung fehlerhaft wiedergegeben und machte aus 1000 Jugendlichen 1000 randalierende Jugendliche. Da darunter auch ein großer Teil an Migranten war, wurde die Meldung schnell zur Schlagzeile in weiteren Online-Plattformen von Tageszeitungen. Rechtspopulisten verdrehten nochmals den Inhalt und postete sie in den sozialen Medien. Obwohl die Nachricht in den folgenden Tagen von mehreren Seiten korrigiert wurde, erzielte das „Debunking“ nicht die Reichweite der „Fake News“.

Nach Meinung der SNV-Autoren nehmen die „klassische“ Medien unterschiedliche Rollen ein: Mal sind sie „versehentlicher Katalysator“, mal „bewusster Auslöser“ und meistens aber „kritisches Korrektiv und Richtigsteller falscher Informationen“. Etwa Süddeutsche.de oder der Faktenfinder der ARD.

Für die Studie waren von März bis September 2017 (also im Vorfeld der Bundestagswahl) zehn Fake-News-Fälle mit nationaler Reichweite beobachtet, ausgewählt und untersucht worden. Ausgewertet wurde ein Großteil der deutschen Online-Öffentlichkeit, öffentlich zugänglichen Facebook-Seiten sowie der deutschsprachige Twitterraum, Online-Nachrichtenseiten, Blogs, Foren und die Videoplattform YouTube.

Das Fazit der Autoren hat mich sofort überzeugt: Nach wie vor genießen die klassischen Medien ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung. Jedoch ist der Journalismus schon seit Jahren in der Krise. Viele Mediennutzer wollten zwar gute, verlässliche Informationen, aber seien kaum bereit, dafür Geld zu zahlen. Das führt zu einem hohen Zeit- und Arbeitsdruck in der Branche. Missverständlichkeiten und Fehler können sich in einem solchen Umfeld umso schneller einschleichen.

Was folgt? Aus meiner Sicht braucht es eine gesellschaftliche Debatte über die öffentliche Kommunikation der Zukunft. Und dazu brauchte es auch kreative Veranstaltungsformate. Journalisten sind heute auch gefordert und befähigt, partizipative Prozesse der Verständigung von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zu organisieren, zu moderieren und zu begleiten.